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A propos „five minutes of fame“…

…oder auch „POV: Du realisierst, dass du vor fast 20 Jahren mal freiwillig und unbezahlt für einen der größten Tech-Konzerne gearbeitet hast, ohne es wirklich zu merken“

In meinem letzten Artikel hatte ich ja irgendwo die berüchtigten „five minutes of fame“ erwähnt, die jeder im Leben mal habe – und erinnerte mich dabei direkt an einen anderen Moment, den ich vor vielen Jahren einmal hatte. Damals™ (das muss so ca. 2007 gewesen sein) hatte ich dabei definitiv das Gefühl, genau jetzt gerade „berühmt“ zu sein, und zwar, als Facebook mir folgendes anzeigte:

Screenshot aus der Facebook-"Übersetzungen"-App

Wow. Über 28 Milliarden mal! Wie ist das möglich?

Es könnte damit zusammenhängen, dass ich in bestimmten Phasen meines Studiums, als Facebook gerade in Deutschland zu „einem Ding“ wurde, relativ viel Zeit auf der Plattform und im Speziellen in der „Übersetzungen“-App verbracht habe, in der man als ganz normaler Benutzer bei der Übersetzung der Site in die eigene Sprache mithelfen konnte.

Und ich mich dementsprechend ziemlich viel mit so wunderbaren Konstrukten wie diesem herumgeschlagen habe:

Screenshot aus der Facebook-"Übersetzungen"-App

Ja. Braucht man glaub ich nicht viel mehr zu zu sagen… zeitweise war ich dann sogar auf Platz 2 der Gesamt-Übersetzer-Rangliste, auch wenn ich davon leider keinen Screenshot mehr habe (aber ich schwöre! ;-)…

So weit, so eigentlich irrelevant aus heutiger Sicht, und eigentlich sogar recht traurig, wenn ich überlege, dass ich damals qualitativ ziemlich hochwertige Arbeit für den (zu dem Zeitpunkt noch nicht so heißenden) Meta-Konzern kostenlos erledigt habe. Meh. Aber egal – eine Sache gibt’s doch, die historisch durchaus interessant sein könnte: für das Substantiv „like“ (wie viele „Likes“ ein Post erhalten hat usw.) gab es damals zunächst keine wirklich einheitliche Übersetzung. Furchtbare Konstrukte wie „25 Gefällt mirs“ oder „25 Gefallen“ machten die Runde, aber man konnte jede Übersetzung up- oder downvoten, und eigene vorschlagen. Irgendwann habe ich die relativ „gestelzte“ (und vom damaligen, recht formalistisch geprägten deutschen Microsoft-Formulierungsstil inspirierte) Konstruktion der „Gefällt mir“-Angabe als für mich die beste Alternative auserkoren und diese vorgeschlagen, wo immer sie noch nicht dabeistand und für sie gevotet (und gegen alle anderen), wo immer es ging.

Und siehe da, nach wenigen Wochen war dies zum offiziellen Facebook-Sprech geworden. Wie viel oder wenig ich da dran „mitschuld“ bin, vermag ich aus heutiger Sicht nicht zu beurteilen, aber ich hab zumindest damals das sicherlich nicht ganz unberechtigte Gefühl gehabt, nicht völlig unbeteiligt an der Einführung dieser Formulierung gewesen zu sein. Wohlgemerkt: ich spreche hier nur von der Substantivierung, wo die Anzahl quantifiziert werden soll (und wo es im Englischen einfach „one like“ oder „2 likes“ hieß), nicht vom Begriff „Gefällt mir“ für „Like“ selbst. Der war schon von Anfang an vorgegeben und stammt vermutlich vom Übersetzungsteam bei Facebook selbst.

A propos Übersetzungsteam: ich wurde zwischendurch als „Top-Übersetzer“ auch mehrmals zu Facebook-Übersetzer-Meetings und Events eingeladen, was ich aber immer dankend abgelehnt habe. Für mich war’s einfach nur Hobby und Zeitvertreib. Sprache macht mir halt Spaß – nicht mehr und nicht weniger. Mehr oder weniger Spaß machten (vor allem infantilen Informationstechnik-Erstsemestern…) teilweise auch solche Begriffe, die man hin und wieder während des Browsens bewerten sollte:

Screenshot aus der Facebook-"Übersetzungen"-App

Und so möchte ich das jetzt auch einfach mal stehen lassen – also, wann immer ihr jemandem eine „Gefällt mir“-Angabe dalasst, wird vielleicht auch heute noch irgendjemandem früher oder später einer meiner übersetzten Strings angezeigt. ;-)

Übrigens: mittlerweile gibt es die Community-Übersetzungs-App schon lange nicht mehr (deshalb kann ich leider auch nicht mehr auf Rankings usw. zugreifen) und ich vermute, Facebook lässt das meiste heutzutage maschinell übersetzen. Ist sicherlich noch billiger, als die Community kostenlos die Arbeit erledigen zu lassen und dafür Partys schmeißen zu müssen – ob es qualitativ besser ist, sei dahingestellt.

Es grüßt euch
Fabian

Von fabian

Fabian Schneider, Betreiber von FABIANS WEBWORLD und diesem Blog.

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